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Ralf Dümmel im FAZ-Porträt

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Es dürfte der teuerste Versprecher in seinem Leben gewesen sein. „Ich bin bereit, die von Ihnen geforderten 125.000 Euro zu investieren“, sagte Ralf Dümmel in Folge sieben der Vox-Gründershow „Die Höhle der Löwen“. Doch einen Moment: Eigentlich hatte das junge Gründerpaar, das in der Sendung um einen Investor für seine Geschäftsidee warb, nur 100.000 Euro gefordert. Als Dümmel klar wurde, dass er viel zu viel Geld angeboten hatte, um als neuer Gesellschafter in den Zweimannbetrieb einzusteigen, musste er schlucken. Trotzdem war die Sache für ihn sofort klar: „Ein Mann, ein Wort“, sagte der 49 Jahre alte Unternehmer. „Ich habe da zwar einen Fehler gemacht, aber zu dem Fehler stehe ich.“

Das Ergebnis: Melanie und Holger Brosig konnten sich über eine zusätzliche Finanzspritze für ihr Start-up „Veggie Pur“ freuen, das Gewürzmischungen aus Biogemüse herstellt. Und Ralf Dümmel musste zwar tiefer in die Tasche greifen, als eigentlich nötig. Dafür bekam er aber eine etwas höhere Beteiligung von 25,1 Prozent und hatte zugleich bei den Zuschauern und den Gründern, die in der Show um das Kapital von erfahrenen Investoren buhlen, viele Sympathiepunkte gesammelt.

Es war nicht das erste Mal: Der Manager und Investor, der in der Öffentlichkeit kaum bekannt ist und in der aktuellen Staffel erstmals als Juror mitmacht, hat von Beginn an mit seiner gelassenen und verbindlichen Art viele Fans gewonnen. Das zeigt sich zum Beispiel auf der Facebook-Seite, die der Sender Vox, der zur RTL-Gruppe gehört, für die Serie eingerichtet hat: Dümmel sei ein „Löwe mit Mut und Herz“, schreibt ein Nutzer dort. „Er wertet die Sendung enorm auf“, findet ein anderer.

Der Rummel um Dümmel

Zuerst hatte Dümmel auch eine eigene Facebook-Seite. Doch die soll er vom Netz genommen haben, weil die große Zahl an Zuschriften einfach nicht mehr zu beantworten gewesen sei, heißt es. Fans und junge Unternehmer schrieben ihm massenhaft Mitteilungen. Einige Frauen sollen sogar digitale Liebesbriefe an den schlanken Manager geschickt haben, der sich stets adrett kleidet und seine dunklen Anzüge am liebsten mit schrillen Einstecktüchern, bunten Hemden und farbigen Strümpfen kombiniert.

Dass Dümmel den Nachrichtenstrom im sozialen Netzwerk zumindest ein Stück weit eindämmen musste, heißt aber nicht, dass ihm der Rummel unangenehm wäre. Im Gegenteil: „Für mich ist das eine neue Erfahrung, aber ich finde es toll, dass die Rückmeldungen so positiv sind“, sagt der gebürtige Bad Segeberger, der in Hamburg die Firma DS Produkte leitet.

„Ich weiß genau, was ich tue“

Seine bisherige Bilanz in dem TV-Schlager, der zuletzt mehr als 3,3 Millionen Zuschauer hatte und zu den erfolgreichsten Eigenproduktionen von Vox gehört, kann sich sehen lassen. Bis zum heutigen Dienstag, an dem die vorletzte Folge der dritten Staffel über die Bildschirme flimmern wird, hat er 19 Deals vor laufender Kamera abgeschlossen und finanzielle Zusagen in Höhe von rund zwei Millionen Euro gemacht.

Damit stellt er seine Ko-Juroren klar in den Schatten. Weder der Versicherungsunternehmer Carsten Maschmeyer, noch die anderen Investoren Jochen Schweizer, Frank Thelen und Judith Williams kommen auf annähernd so viele Abschlüsse. Den Verdacht, dass er viel zu blauäugig an die Sache herangeht und wahllos bei möglichst vielen Jungunternehmen einsteigt, weist Dümmel zurück: „Ich bin seit vielen Jahren in dem Geschäft und weiß genau, was ich tue“, sagt er im Gespräch mit dieser Zeitung.

Zu den Start-ups, bei denen er eingestiegen ist, gehören Unternehmen wie „Papa Türk“, ein Hersteller von spezieller Limonade, die die Knoblauchfahne nach dem Döner vertreiben soll. Besonders begeistert hat er sich zuletzt von der „Kinderleichten Becherküche“ gezeigt, einem Kochset für Kinder, das er mit 75 000 Euro unterstützen will. Nicht alle Abschlüsse aus der Show – einem Ableger des britischen Formats „Dragons’ Den“ – kommen am Ende tatsächlich zustande. In drei Fällen machte Dümmel einen Rückzieher, nachdem er die Bücher der Start-ups genauer geprüft hatte. Dieser Rundumtest nach der Sendung ist für ihn unverzichtbar, denn die Gründer könnten bei ihrer Präsentation im Fernsehstudio das Blaue vom Himmel herablügen.

Zugleich will Dümmel keine übermäßig strengen Maßstäbe anlegen: „Als Unternehmer muss man ins Risiko gehen, sonst erreicht man gar nichts.“ Dümmel, der mit der TV-Moderatorin Anna Heesch liiert ist, kann die Chancen und Risiken gut einschätzen. Er ist zwar selbst kein Gründer, doch mit dem Aufbau von Geschäftsideen hat er viel Erfahrung. Zusammen mit seinem inzwischen verstorbenen Mentor und langjährigen Kompagnon Dieter Schwarz hat er in Hamburg ein Unternehmen aufgebaut, das rund 400 Mitarbeiter beschäftigt und 250 Millionen Euro im Jahr umsetzt.

Dümmel lässt erneuten Auftritt offen

DS Produkte liefert Aktionsware an Handelsketten wie Edeka und Rewe oder Aldi und Lidl. Rund 4000 Produkte, die meisten davon aus eigener Entwicklung, hat das Unternehmen im Angebot, vom Pfannenset über die Hautcreme bis hin zum Staubsauger. Neue Ideen sind stets willkommen. Daher war Dümmel sofort Feuer und Flamme, als der Sender Vox anfragen ließ, ob er als neuer „Löwe“ in der Gründershow dabei sein will. „Das ist eine Riesenchance, um unser Sortiment zu vergrößern“, sagt er. Schließlich würden in der Serie viele Produktneuheiten vorgestellt, die genau in sein Geschäftsmodell passten.

Ob er in der nächsten Staffel, die Vox schon angekündigt hat, abermals als Investor dabei sein will, das hält er sich offen. Die Dreharbeiten machten ihm Spaß, aber er brauche im Moment viel Zeit für seinen eigenen Betrieb, sagt Dümmel. Grundsätzlich findet er das Konzept der Sendung sehr gut: „Wir tun etwas dafür, um den Gründergeist in Deutschland zu stärken.“ Er freue sich, wenn mehr junge Gründer dem Beispiel folgten und sich trauten, ihre eigenen Geschäftsideen zu verwirklichen.

Quelle: F.A.Z. 

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